Oliver Kall
Supperclub Chemnitz

Macher der Woche

Beim Essen den Blick auf die Stadt schmackhaft machen.

Am kommenden Samstag, 31. Januar, rollen in der Skatehalle in der Schönherrfabrik nicht nur die Boards über die Rampen. An einer langen gedeckten Tafel werden 37 zum Teil sich fremde Menschen gemeinsam dinieren. Das ganze nennt sich „Supperclub“ und kommt aus den USA. In einigen Großstädten wie London und Berlin sind derartige Treffs zum gemeinsamen Kochen in den eigenen vier Wänden bereits ein voller Erfolg. Nun will Oliver Kall, ausgebildeter Koch und Restaurantfachmann, diese Art des Dinierens auch in Chemnitz etablieren. Mit einem kleinen Unterschied – fernab der heimischen Küche.

Du lädst am kommenden Samstag fremde Menschen zum Essen ein?

Oliver Kall: Jein, zum Teil habe ich eingeladen, zum Teil haben sich die Leute über das Internet bei mir angemeldet. Ich wollte eine Mischung aus sich kennenden Menschen und sich völlig unbekannten. Das ist jetzt der Fall.

Wie kamst Du auf die Idee?

Ursprünglich kommt die aus den USA. Es gibt mehrere Varianten, wie es entstanden sein soll. Die, die für mich am einleuchtendsten war und die ich mehrmals gefunden habe: In den 60er/70er Jahren haben sich die ersten Vegetarier und Veganer aufgrund der teuren Nahrungsmittel zusammen getan und gemeinsam gekocht. Auch um soziale Kontakte zu pflegen und „groß“ zu kochen, was du dir alleine nicht leisten konntest.

Kollegen haben die Idee für München übernommen und Menschen zu sich nach Hause eingeladen. Ich wollte es ein wenig abwandeln, spektakulärer machen als es sonst ist und in besondere Locations einladen.

Was ist die besondere Location bei dem ersten Termin?

Wir werden in der Skatehalle/Schönherrfabrik essen. Als Location ist es etwas Außergewöhnliches und ich finde den Verein, der dahinter steckt, gut.

Alles, was wir, abzüglich der Kosten für Nahrungsmittel, an dem Abend einnehmen, kommt dem Verein als Spende zugute.

Und das Essen wird wo zubereitet? In der Skatehalle gibt es doch keine Küche.

Nein, die gibt es wirklich nicht. Wir bereiten das Essen bei einem befreundeten Koch zu. Das wird dann per Transporter zur Schönherrfabrik gebracht. Entweder es sind kalte Gerichte oder welche, bei denen der Warmanteil nur noch einmal warm gemacht werden muss. In diesem Fall besteht die Hauptspeise aus Burgern, die wir mit dem Grill zubereiten.

Wie läuft die Bezahlung ab?

Das ist jedem selbst überlassen. Er bezahlt den Betrag, der das Essen für ihn wert war.

Hast Du keine Angst, ein Minusgeschäft zu machen?

Nein, da bin ich ganz zuversichtlich, dass es nicht so wird.

Für 37 Leute gleichzeitig mehrere Gänge zu kochen, klingt nach einer Herausforderung?

Ich habe die Hilfe von vier befreundeten Profiköchen, denen das Konzept gefällt und die ihr Engagement zugesagt haben.

Kommen alle Gäste aus Chemnitz?

Nein, zur Premiere kommen auch welche aus Dresden.

Was erwartet die Leute an kulinarischen Köstlichkeiten?

Verrückterweise hat sich heraus kristallisiert, dass für die Angemeldeten das Essen eher zweitrangig ist. Viele der Teilnehmer haben sich auch bereit erklärt, zu helfen und Essen mitzubringen. Das ist doch das Schönste und der Sinn dieser Veranstaltung.

Also können die Leute „Supperclubs“ auch in den eigenen vier Wänden veranstalten?

Das wäre großartig, wenn das so laufen sollte. Wir würden unsere Veranstaltung einmal im Quartal, wie gesagt in besonderen Locations, anbieten und die Leute, die das Projekt gut finden, können gern über unsere Plattform Gleichgesinnte suchen und sich zum Kochen verabreden. Es soll eine aktive soziale Plattform werden, in der es nicht darum geht, sich im Internet irgendwelche Sachen hin und her zu schicken, sondern dass die Leute real aufeinandertreffen.

Hast Du schon Ideen für zukünftige Locations?

Ideen gibt es, aber die sind noch nicht spruchreif.

Ist dieses Konzept einzigartig?

Die „Supperclub-Events“, wie ich es genannt habe, soweit mir bekannt, scheinen einzigartig in Deutschland zu sein.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, dass das in Chemnitz funktionieren könnte?

Ich bin nicht auf die Idee gekommen. Ich habe das gelesen, gesagt, das mache ich einfach und gucke was passiert. Als die Ankündigung heraus ging, kam so viel Zuspruch, dass die nächsten drei Veranstaltungen schon fast vollständig ausgebucht sind.

Wo, denkst Du, liegt der Reiz bei den Besuchern an dieser Veranstaltung?

Zum einen gibt es viele Chemnitzer, die sich ein bisschen langweilen und sagen: es ist immer nur das gleiche in der Stadt. Zum anderen hat sich die Struktur der Einwohner, die was Aufregendes erleben wollen und nicht der normalen Gastronomie entsprechend, aus meiner Sicht geändert. Ein weiterer Punkt, der für eine solche Veranstaltung spricht, ist das Kennenlernen anderer Leute.

Für mich war es interessant: In Chemnitz ist jeder am Jammern, wie schlimm und schlecht alles ist und dass nichts passiert. Deshalb ist die Geschichte ein Pilotprojekt, bei dem wir sehen, wie es läuft.

Was wird außer dem Gericht am 31. Januar bei Euch geboten?

Die Planungen laufen noch, aber zwischen den Gerichten werden die Jungs der Skatehalle ihre Künste auf dem Brett zeigen. Ein weiterer Gedanke ist der, dass die Leute, die aus Chemnitz kommen, kurz ihre Meinungen zu der Stadt austauschen.

Ich möchte, dass die hier lebenden Leute, ein anderen Blick auf die Stadt bekommen. Chemnitz ist eine tolle Stadt, die im Aufschwung ist und sich verändert. In den vergangenen Jahren hat sich die Stadt doch ganz schön gemacht.

Du kommst ja auch nicht aus Chemnitz?

Nein, ich komme aus dem Rheinland, lebe aber seit 2006 hier.

Bei diesen Veranstaltungen kommt finanziell nichts bei Dir rum. Womit verdienst Du Dein Geld?

Mein derzeitiger Job beinhaltet die Erstellung und Erarbeitung von System-Gastronomiekonzepten.

Was fehlt der Gastronomie in Chemnitz aus deiner Sicht?

Die Gastronomen setzen immer wieder auf altbewährtes Sachen und machen lieber fünfzigmal das gleiche, als einmal was anderes.

Was wäre denn ein Zukunftskonzept in Sachen System-Gastronomie?

System-Gastronomie verbinden die meisten Leute mit Fastfood, wie McDonalds oder Burger King. In meinen Plänen ist es verbunden mit einer jungen, kreativen und gesunden Küche, die an die Region und an die Saison angepasst ist.  Die soll trotzdem schnell gehen und für jeden was bieten.

Dafür suchst du jetzt eine geeignete Location?

Der Gedanke ist gerade am Reifen. Aber das ist ja auch eine Kostenfrage.

Ist es in Chemnitz leicht so etwas auf die Beine zu stellen?

Ja, Chemnitz hat unheimlich viel Potential. Die Stadt ist gerade so sehr im Umbruch, dass so viele Leute gierig nach Neuem sind.

Unsere Standardfrage zum Ende: Muss man den Chemnitzern Mut machen?

Chemnitz braucht sich gar nicht schämen. Ganz im Gegenteil: Chemnitz sollte mal drauf stolz sein, dass es Chemnitz ist. Die Einwohner reden mit gesenkten Köpfen von ihrer Stadt. Das muss doch nicht sein. Ich bin nicht hier geboren, aber sage mittlerweile, dass ich Chemnitzer bin und gerne in der Stadt wohne. Es ist doch eine wirklich coole Stadt. Man muss nur einfach mal die Augen auf machen und nicht nur immer das Schlechte sehen. Sich einfach mal einen Tag Zeit nehmen und wild durch die Stadt laufen. Es wird so viel geboten.

13 1 27. Januar 2015 gepostet am

1 Kommentar

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  • Kay Strauß 28. Januar 2015 - 14:53 Antworten

    Klasse Konzept, ich wünsche Dir Erfolg und Durchhaltevermögen!