Chemnitzer Portraits

Hier gibt es noch wirklichen Underground

Lydia Thomas  – mein Jahr in Chemnitz

„2017 war ein gutes Jahr in Chemnitz, mit spannenden Projekten. Den Sommer habe ich in meinem Atelier am Stadtpark genossen,  da komm ich schnell raus ins Grüne und kann bei schönem Wetter mit meinem Hund die Sonne genießen …

Nach meiner eigenen Ausstellung habe ich mit meinem Galeristen Bernd Weise etwas ganz Neues  getan – eine Ausstellung mit meiner Kunstprofessorin aus München, Anke Doberauer und ihren 15 Meisterschülern und Meisterschülerinnen, mich eingeschlossen. Mit meiner Professorin als Kollegin zu arbeiten? Das war schon etwas Besonderes. Bernd hat das ganz hervorragend organisiert und das Experimentelle daran war, so viele Künstler unter einen Hut zu bekommen.  Das gelingt wohl nur ihm und auch nur in Chemnitz, in München wäre das viel zu kompliziert gewesen. Und wir haben viel Unterstützung bekommen. Frau Mössinger hat uns  den Kontakt gegeben, die richtigen Räume zu finden, wo die Werke richtig zur Geltung kommen.  Und mit der Energie vieler Freunde haben wir dann alles auch schaffen können.

Die Ausstellung war einfach großartig und sie hat zahlreiche kunstinteressierte Menschen aus München und Bayern erstmals nach Chemnitz gebracht. Es war wirklich alles über Kunst und es hat uns  einen produktiven Austausch über die Themen der Zeit gebracht, da gibt es ja gerade eine Unmenge von Themen für uns Künstler… Themen, die viel größer sind als Sachsen und Bayern  und uns trotzdem verschiedene Perspektiven anbieten.

Aktuell helfe ich gerade  Bernd bei seiner pop-up-Galerie am Rosenhof, wo wir im Dezember eine kleine Werkschau verschiedener Künstler machen und aufgrund der Lage ein Teil des Weihnachtsmarktes sind, vor dem Sockenstand und hinter der Glühweinbude. Das ist zwar surreal aber irgendwie auch nett.

Mein Ausblick auf 2018? Ich befinde mich wohl gerade in einer künstlerischen Umbruchphase, ich betrachte kritisch die Welt, setze meine Filter und warte auf meine Inspiration.  Und dann wird gemalt… Mal sehen, wohin mich das  dieses Mal führt.


 

Hallo, ich bin Lydia Thomas aus Chemnitz. Ich bin Künstlerin.

Ich bin in Karl-Marx-Stadt geboren und in Bayern aufgewachsen und verbrachte da meine Kindheit. In München habe ich Malerei studiert und war Meisterschülerin.

Weil ich der Meinung bin, dass die beste Energie da ist, wo man geboren ist, lebe und arbeite ich in Chemnitz. Das ist mein Ankerplatz, hier bekomme ich meine geografische Energie.

Malerei und Bronzearbeiten sind meine wichtigsten Ausdrucksmittel. Die Malerei gibt mir die Möglichkeit, das auszudrücken, was mich heute bewegt. Meist sind es die Widersprüche und Konflikte unserer Zeit.

Bei meinen Bronzearbeiten treten die Menschen heraus aus der Kunst, werden Skulptur, die Malerei wird plastisch. Das verleiht ihnen besondere Kraft.

Ja, in Chemnitz lebe ich gern. Die Stadt gibt mir Ruhe, Kraft und Energie. Sie hat den underground und richtig schöne Viertel. Die Stadt hat Ecken und Kanten. Sie hat viel Potenzial, weil sie eben noch nicht so fertig ist. Hier bekomme ich Inspiration für meine Arbeit. Aber man findet auch seine Ruhe im Stadtpark, wenn man will.

Was mich antreibt, das ist mein Umfeld, die Personen um mich herum, was ich im Leben halt so sehe.

Und wenn Sie mich oder meine Werke treffen wollen, kommen Sie in die Galerie Weise. Meine Bilder werden von Bernd Weise ausgestellt und auch verkauft. Hier bin ich öfters, weil wir gemeinsam über neue Ideen und Ausstellungen spinnen.