Alexander Krauß, Lukas Heinig, Josephin Hartmann, Ulrich Halfter (v. li.)
ePartitur

Macher der Woche

Optimale Anzeige digitaler Noten

Ganz im Zeichen der digitalen Welt arbeiten die Gründer von „ePartitur“. Durch Ulrich Halfter, Lukas Heinig, Alexander Krauß und Josephin Hartmann haben es die Musiker unterschiedlicher Genres in Zukunft ganz leicht. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Noten schleppen gehört bald der Vergangenheit an. Die vier tüfteln an einer neuen App, die den Notenbestand digital auf mobilen Endgeräten anzeigt. Alexander Krauß und Lukas Henig haben viel zu erzählen – über die neue App und natürlich auch über Chemnitz.

Wie sind Sie auf die Idee für „digitale Noten“ gekommen?

Lukas Heinig: Zum einen ist es so, dass die Digitalisierung in allen Bereichen vorwärts geht. Es ist einfach eine Frage des Umgangs. Es ist ein Unterschied, ob ich  gerade in der Musikschule jeden Tag zwei Koffer mit Noten schleppe und ich dann trotzdem nur ein Viertel meines Notenbestandes dabei habe, oder ob ich das bequem auf dem Tablet speichere – das ist einfach praktischer.

Sie sind jetzt dabei eine App für digitale Noten zu entwickeln – was soll die App können?

Alexander Krauß: Es gibt vier wichtige Komponente der App: Erstens: Mit der App kann man Notenblätter auf allen unterschiedlichen Tablet-Größen darstellen und bearbeiten. Zweitens:  Wir bieten eine spannende Notenbibliothek mit Notenblättern im neuen Format. Drittens:  Planungstool zur Schüler und Stundenverwaltung (für Musiklehrer) Und Viertens: Wollen wir eine Anwendung für Bands. Dort können Auftritte  vorbereitet werden. Der Kern ist es aber, die Technologie. Die optimale Darstellung von Noten auf unterschiedlichen Größen. Wir machen nicht nur eine App, sondern auch eine Hardware-Komponente. Eine Art Fußschalter bzw. Pedal, mit dem ich selbständig die „Notenseiten“ umblättern kann.

Heinig: Durch die App ist es uns möglich, die digitalen Noten optimal darzustellen. Das heißt bis jetzt habe ich eine pdf-Datei, die ich nur im Ganzen groß oder klein ziehen kann. Dabei leidet aber die Lesbarkeit. Mit unserer Lösung ist das ausgeschlossen. Es sind zwar weniger Takte auf einen Blick, aber die Noten sind lesbar. Und „umblättern“ kann man dann mittels Pedal.

Wenn die App dafür da ist, dass man Noten optimal darstellen kann, wie kommen denn dann die Noten in die App?

Heinig: Zurzeit sind wir mit Verlagen genau zu diesem Thema im Gespräch. Da kommt eine Lösung ins Spiel über das sogenannte „Digital Rights Management“ – ein Verfahren mit dem die Nutzung digitaler Medien kontrolliert wird. Also das, was es für eBooks schon gibt. Von den Verlagen können Lizenzen erworben werden – entweder als Einzellizenz oder eben als Mehrfachlizenz. Mit einer Mehrfachlizenz kann der Musiklehrer dann die digitalen Noten an seine Schüler verteilen. Das hat mehrere Vorteile: Dass ganze Notengeschäft wird dadurch wieder in die Legalität zurück gebracht. Für den Schüler hat es den Vorteil, dass er sich nicht ein ganzes Heft kaufen muss, sondern eben einzelne Werke. Für die Verlage hat es den Vorteil, dass sie den Umsatz wieder zurückbekommen, der durch illegale Server verloren gegangen ist.

Krauß: Damit die Noten in der App nutzbar sind, müssen die Verlage die Noten in irgendeiner Form bereitstellen. Und die Form der Noten ist in den Verlagen zurzeit noch sehr unterschiedlich. Es gibt Verlage, die sind schon sehr weit und veröffentlichen auch schon digitale Noten. Es gibt aber eben auch welche, die arbeiten noch sehr antiquiert. Man kann also von einem Wandel sprechen und wir sind da am Zahn der Zeit.

Die Verbindung zwischen der App als Software und dem Fußpedal als Hardware ist in dieser Kombination schon etwas Besonderes, oder?

Krauß: Dadurch grenzen wir uns auf dem Markt auf jeden Fall ab. Wir wollen ein Anbieter sein, der eine Runde Lösung bietet. Als Musiker muss ich mir die Komponenten nicht zusammen kaufen und aufeinander abstimmen. Sondern ich kaufe mir eine Lösung, die funktioniert. Das Ziel ist quasi, das unterbrechungsfreie Spiel. Wir wollen erreichen, dass der Musiker nicht mehr eine Pause machen muss, weil er umblättert. Und das geht eigentlich nur mit dem Fuß. Die Idee ist, mit dem Fuß selbstbestimmend weiterzublättern. Und das geht über die Hardwarekomponente. Ein Fußschalter aus Holz, die mit einer Bluetooth-Schnittstelle mit dem Tablet verbunden ist.

Ein weiterer Vorteil der App ist, dass alle gespeicherten Noten auch abspielbar sind. „Das erleichtert dem Musiklehrer das Arbeiten ungemein. Bei fortgeschrittenen Schülern muss ich mindestens zehn Stücke vorhalten, die ich als Lehrer permanent bringen muss“, sagt Heinig. Auch das Transponieren, also die Stücke höher oder tiefer zu spielen, sei mit der App ganz einfach.

Wie ist denn die Zeitschiene für Ihr Projekt?

Krauß: Wir wollen schon zum Jahresende eine erste Version veröffentlichen. Das muss jetzt nicht unbedingt der erste große Wurf sein. Wahrscheinlich wird es erst mal eine kleine Komponente, die wir dann stückweise weiter aufbauen können. Um das vorzubereiten sind wir direkt mit Musikern im Gespräch, um einfach die Bedürfnisse kennenzulernen.

Heinig: Zunächst geht es natürlich um das Herzstück der App und das ist die Notenanzeige. Die muss als erstes stehen. Und dann können wir darum die verschiedenen Spezifikationen für unterschiedliche Anwender einfügen. Das ist dann der nächste Schritt.

ePartitur besteht aus vier Mitwirkenden. Wie sind Sie für das Projekt zusammengekommen?

Heinig: Ulrich Halfter, der Entwickler der App, war mal mein Musikschüler. Für sein Studium hat er seine Diplomarbeit zu dem Thema geschrieben. Und so sind wir gemeinsam in das Boot eingestiegen. Dann haben wir gemerkt, dass das Thema zukunftsfähig ist und wir haben verschiedene Leute angesprochen.

Krauß: Ulrich und ich haben hier an der TU Chemnitz studiert. Da hatten wir also eine Verbindung. Dann brauchten wir noch jemanden für den Bereich Marketing – und dann waren die Kernkompetenzen schon erfüllt.

Ulrich Halfter entwickelt für die App die Software, die eigentliche Innovation des ganzen Projektes. Alexander Krauß entwickelt die Hardware, und hat das Design wir den Fußschalter entworfen. Der Bereich Marketing und PR obliegt in der Hand von Josephin Hartmann.

Ist Chemnitz eine besonders musikalische Stadt?

Krauß: Wenn man mit offenen Augen durch Chemnitz geht, dann auf jeden Fall. Man kann in Konzerte gehen, man sieht Straßenmusiker. Es kommt eben auch immer darauf an, wofür man sich interessiert.

Heinig: In Chemnitz ist es eigentlich wie immer in Chemnitz: Es ist immer erst auf den zweiten Blick interessant. Wenn ich den Vergleich ziehe zu anderen Städte, dann ist es in Chemnitz immer der zweite Blick. Aber auf den zweiten Blick lässt sich in Chemnitz unheimlich viel entdecken. Immerhin haben wir ein A-Orchester. Das hat auch nicht jede Stadt. In der Subkultur gibt es eine Menge Leute, wo man immer hingehen kann.

Einmal ist uns kurzfristig ein Urlaub geplatzt, sodass wir unseren Urlaub in Chemnitz verbracht haben. Wir konnten jeden Abend irgendwas unternehmen. Es war immer ein Angebot da. Man muss natürlich etwas suchen. Es wird einem nicht immer auf dem silbernen Tablett serviert. Insofern ist Chemnitz schon eine musikalische Stadt. Es gibt gute Musikschulen. Es lässt sich musikalisch viel entdecken. Es gibt einen hervorragenden Jazzclub – was will man mehr?

Krauß: Was uns natürlich hilft, ist die Geschichte der Stadt Chemnitz in den zwanziger Jahren. Eine aufstrebende Metropole, wo Dinge entstehen. Ich habe natürlich in Leipzig den Handel und Konsum, in Dresden die Repräsentation. Die Frage ist doch aber, wo das Zeug her kommt. Und da sitzen wir eindeutig an der richtigen Stelle.

Muss man den Chemnitzern Mut machen?

Heinig: Es hat sich sehr viel getan in Chemnitz, in den Köpfen der Leute. Man muss natürlich Mut machen, den Weg weiter zu gehen. Ein Imagewandel geht erst in den Köpfen der Leute los und da muss man ansetzen.

 

Foto von Alexander Krauß: Tim Plagemann

11 0 19. Oktober 2016 gepostet am

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