Ronny Graupner
Geschäftsführer von Playmatt

Macher der Woche

Spielematten – „Made in Chemnitz“

Spielunterlagen/Spielematten – „Made in Chemnitz“: Mit dieser Erklärung könnte sich das Produkt von Ronny Graupner ohne Zweifel schmücken. Der 32-Jährige produziert seit knapp einem Jahr Spielunterlagen/Spielematten für Kinder, die es so auf dem Markt noch nicht gibt. Einen großen Anteil an dem zweiten Standbein hat seine vierjährige Tochter. In den kommenden Monaten hat der freiberufliche Webdesigner mit seinem neuen Unternehmen eine Menge vor. Aber eines soll so bleiben wie es aktuell ist: Made in Chemnitz.

Wie bist du auf die Idee gekommen, diese Matten zu produzieren?
Meine Lebensgefährtin und ich haben unserer Tochter einen Bauernhof geschenkt. Nach dem Auspacken und Aufbauen stellten wir ihn auf einen kleinen, weißen Tisch. Aber irgendwie sah das sehr merkwürdig und traurig aus. Es hatte wenig mit den bunten Bildern auf der Verpackung gemein.
Berufskrankheit – ich habe mir überlegt, wie ich das schöner machen kann und habe mit einem Grafikprogramm eine grüne Wiese auf A4 gestaltet und ausgedruckt. Mein Töchterchen fand das super und hat gleich damit gespielt. Dann habe ich die Gestaltung erweitert: ein Matschfleck und ein Teich kamen dazu. Diese Bilder hat meine Tochter ebenfalls gleich in ihr Spiel mit eingebunden.

So entstand die Idee, solche Untergründe zu gestalten. Die kommende Recherche war intensiv: Gibt es eine derartige Sache bereits? Bis auf ein paar Aufkleber, klassische Spielteppiche, oder bunte Schaumstoffunterlagen hatte ich nichts weiter gefunden. Die Matten dürfen nicht auf Möbelstücken festkleben, müssen trotzdem rutschfest und platzsparend verstaubar sein usw.

Aber von der bloßen Idee zur Umsetzung ist es ja noch ein Stück?
Im Internet habe ich jemanden gefunden, der so eine Art Unterlagen für Yugioh-Kartenspieler selbst macht. Nach dem ersten Mail-Kontakt meinte er nur, dass er kurz mal vorbei kommt. Dann könnte man sich besser unterhalten. Mein Büro war damals noch in der Carolastraße. Etwas verwundert habe ich dann auf ihn gewartet und keine zehn Minuten später war er da, seine Werkstatt war nur einen kurzen Fußweg entfernt.

Das Produkt, das er dabei hatte, traf genau meinen Geschmack  bzw. war das, was ich mir vorstellte. Es besaß eine Gummischicht und rutscht nicht weg, man kann alles darauf stellen und jedes Motiv darauf drucken. Individuelle Maße konnte er auch anfertigen. So entstand die Idee, dass man es 55 x 55 cm – genau die Maße dieses besagten kleinen Tischs – macht.

Mit ihm zusammen haben wir einen Prototyp entwickelt, der im Familien- und Freundeskreis getestet wurde. Die Resonanz war durchweg positiv. Das bestärkte uns, das weiter voranzutreiben. Inzwischen sind wir Geschäftspartner bei playmatt.

Was sind die Vorteile von deinen Matten?
Man kann sie in der Waschmaschine waschen, ohne dass irgendwas beschädigt wird.
Die Matten sind miteinander kombinierbar – sie passen aneinander, sodass sich die Kids eine große Spielwelt kreieren können. Sie sind robust und durch die Gummischicht rutschen sie wie gesagt auch nicht weg. Außerdem sind die Matten schadstofffrei. Man kann mit allen Figuren darauf spielen. Dadurch fördern sie die Kreativität der Kinder.

Im November 2016 startete Ronny Graupner mit seinem Onlineshop. Und ohne viel Werbung zu machen, hat er inzwischen 150 bis 200 Matten verkauft. „Jetzt wollen wir das Produkt natürlich bekannter machen, fahren auf Messen und führen Gespräche mit größeren Abnehmern.“ Denn aktuell gibt es die Matten im Einzelhandel nur bei einem Spielzeugladen in der Sachsenallee und in der Dresdner Altmarktgalerie käuflich zu erwerben. „Die waren von der Idee und dem Produkt so begeistert, dass sie es mit in ihr Sortiment aufgenommen haben. Wir haben eine Marktlücke entdeckt, mit der wir hoffentlich viele Kinder und Eltern erreichen. Weitere Läden sollen folgen. „Es wäre für uns ein Hauptgewinn, wenn unsere Matten deutschlandweit vertrieben werden. Aber ein organisches Wachstum dauert eben seine Zeit. Die nehmen wir uns auch“, so Graupner.

Wo werden die Matten hergestellt? Wird das gedruckt?
Das Rohmaterial ist Naturkautschuk, der einzige Bestandteil, den wir importieren müssen. Mir ist noch kein Ort in Deutschland bekannt, wo ein solcher Baum wächst, aus dem Naturkautschuk gewonnen werden kann (lacht). Alles andere haben wir hier vorrätig.

Woher kommen die Ideen für die Motive?
Unsere Illustratorin entwirft die Motive. Das funktioniert super. Inzwischen haben wir verschiedene Bilder. Standardmatten mit Landschaft, Straße, Meer, aber auch Exklusivmatten, zum Beispiel mit einer Eiswelt. Das wird aktuell erweitert. Zukünftig wollen wir, in Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut z.B. fluoreszierende Matten produzieren. Aber das ist noch in der Testphase. Wir haben eine Weltraummatte – vielleicht bekommt man die mit fluoreszierenden Farben hin. Das wäre doch super, wenn die leuchtet.

Inzwischen können die Nutzer im Internet ihre Matten selber gestalten?
Ja, mit Hilfe unseres Playmatt-Designers im Internet können sich die Leute ihre Matten selber gestalten: Eine Grundfarbe bzw. Grundelement auswählen, wie beispielsweise Wasser, Gras oder Felsen und mit weiteren Elementen ein Unikat kreieren. Wir befinden uns damit gerade in der Testphase.

Hast du schon einmal an ein Chemnitz-Motiv gedacht?
(lacht) Das wäre auf jeden Fall mal seine Sache, über die man nachdenken sollte. Machbar wäre das.

Von einem Büro aus der Zietenstraße will Ronny Graupner mit seinen zwei Geschäftspartnern  die Spielwelt erobern. „Ich habe mich bewusst für das „Kabinettstückchen Coworking Chemnitz“ entschieden. Der Coworking Space ist für mich als Start-up-Unternehmer bestens geeignet, um eine Firma aufzubauen, die Kosten gering zu halten und von hier aus zu agieren. Außerdem wohne ich gleich in der Nähe“, so seine Begründung.  

Warum war bzw. wurde Chemnitz ihr Unternehmensstandort?
Ich bin in der Stadt groß geworden, arbeite und lebe hier. Ich kann nichts Negatives über die Stadt sagen.

Ist die Stadt ein gutes Pflaster für eine Firmengründung?
Man kann hier ohne Probleme ein erfolgreiches Start-up gründen. Das haben einige in der Vergangenheit bewiesen. Das ist vielleicht schwieriger als in anderen Städten, aber ich habe bewusst hier mein Unternehmen gegründet und stehe zu Chemnitz. Alle, die an der Firma beteiligt sind, kommen aus Chemnitz und haben keinen Grund zu sagen, dass wir das woanders machen sollten.

Woher kommen deine Anfragen bzw. die Bestellungen?
Im Onlineshop können wir deutschlandweit Bestellungen verzeichnen, obwohl wir bisher wenig Werbung gemacht haben. Einige haben auch schon mehrfach bestellt und zu manchen konnte ein persönlicher Kontakt hergestellt werden – ein Kunde hat bereits zehn Matten und weitere fünf bestellt. Die Kinder dieser Familie besitzen eine Eisenbahn und einen Bauernhof und wollen die beiden Bereiche von Kinderzimmer zu Kinderzimmer verbinden.

Sind die Käufer überrascht, wenn sie hören, dass das Produkt aus Chemnitz kommt?
Die Kunden von außerhalb finden es super, dass so ein Produkt noch aus Deutschland kommt. Für Einheimische, die bei unseren Präsentationen im Einzelhandel oder auf Messen nach dem Herstellungsort fragen, ist die Antwort ein Kaufgrund. Wir hatten viele Eltern, die es toll finden, dass es sowas in Chemnitz gibt bzw. gemacht wird.

Dein Unternehmen ist doch geradezu prädestiniert für die Vox-Sendung „Höhle der Löwen“?
Wir wurden schon angefragt. Aber wir haben abgesagt.

Warum?
Weil wir damals einfach zu wenig Matten verkauft haben. Bei der Zahl 50 hätten sie uns ausgelacht. Zudem ist es ganz gut, das Unternehmen ein Jahr laufen zu lassen und dann eine Bilanz zu ziehen. Mit den konkreten Zahlen über ein Jahr könnte man eine solche Geschichte angehen.

Wo siehst du deine Firma im Jahr 2025?
Ich hoffe, dass ich in acht Jahren einen eigenen kleinen Playmatt-Store habe, in dem ich meine Produkte präsentieren und verkaufen kann. Ein Ziel ist auch, deutschlandweit im Einzelhandel präsent und vor allem bekannt zu sein. Das werden wir nicht in zwei oder in drei Jahren schaffen. Man sagt als Onlineshop braucht man drei bis fünf Jahre bis man etabliert ist und im Einzelhandel noch ein Stück länger. Aber das ist auch gewollt. Wenn wir nach acht Jahren ein gefestigtes Unternehmen haben, ist das Ziel ja erreicht.

Und wer weiß, wie man die Matten noch weiter entwickeln kann. Wir haben viele coole Ideen. Angefangen von den fluoreszierenden Farben, über Glitzereffekte, 3D-Effekte bis hin zu Kooperationen mit namhaften Spieleherstellern. Aktuell führen wir auch Gespräche, um in die Merchandise-Schiene bei bestimmten Kinderfilmen einzusteigen.

7 0 1. Februar 2017 gepostet am

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