Stephanie Brittnacher
Stadt-Wimmelbuch Chemnitz

Macher der Woche

Chemnitz wimmelt

Ab sofort gibt es Chemnitzer Geschichten und Köpfe im praktischen Taschenformat für die Kleinen unter uns. Die Illustratorin Stephanie Brittnacher hat das alltägliche Leben in ihrer Wahlheimat in bunten, detailreichen Bildern und Kulissen festgehalten. Vor fünf Jahren zog die gebürtige Hessin nach Chemnitz, um sich ihren Traum, als Illustratorin selbstständig zu sein, zu erfüllen. Auf dem Sonnenberg skizziert und entwickelte Stephanie Brittnacher in ihrem Atelier das erste Wimmelbuch mit Schauplätzen aus Chemnitz. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Arbeit an dem Buch.

Wie kamst du auf die Idee ein Wimmelbuch von Chemnitz zu machen?

Im August 2017 hat mich Frau Tiarks vom Willegoos Verlag angerufen und mir von ihrer Reihe Stadt-Wimmelbücher erzählt. Sie sagte, dass Sie auch Chemnitz mit aufnehmen möchte und hat bei ihrer Suche nach regionalen Illustratoren mich gefunden. Wir haben uns dann getroffen und ich war schon sehr begeistert von der Idee, die Stadt in der ich lebe, für ein Buch illustrieren zu dürfen.

Das ist also dein erstes Wimmelbuch?

Mein Zweites. Frau Tiarks und ich saßen eine Stunde zusammen und hatten schon alles im Kasten. Es stand bereits fest, dass das Chemnitz-Buch im Herbst 2018 erscheinen soll und bei einem Blick aus dem Fenster meinte sie, dass sie kurzfristiger noch jemanden für ein Wimmelbuch für die kleine Nordseeinsel Spiekeroog suche. Auf der Insel war ich als Kind einmal, das war zauberhaft. Ich war sofort dabei. Wir sind dann für ein paar Tage dorthin gereist und haben alles angeschaut, fotografiert und ich habe erste Skizzen gemacht. Zuhause habe ich dann noch weiter in Büchern und im Netz recherchiert und dann losgelegt.

Ein Testlauf quasi?

Es war auf jeden Fall hilfreich, schon einmal alles von A bis Z gemacht zu haben. Ich habe Erfahrungen zum Bildaufbau gemacht und konnte auch den Zeitaufwand besser einschätzen. Pro Bild muss ich mit etwa 50 Stunden rechnen, wozu noch die Recherchezeit kommt. Für das Chemnitz-Buch bin ich immer wieder zu den Orten hingefahren und habe jedes Mal etwas Neues entdeckt. Am Schlossteich sitzt zum Beispiel eine kleine Meerjungfrau. Während dieser gesamten Zeit habe ich mich gefühlt, wie ein Schwamm, der alles aufsaugt und Chemnitz noch mal ganz anders kennen und sehen gelernt.

Sind die Motive in dem Wimmelbuch dann eins zu eins so vorzufinden oder fließen auch deine gestalterischen Freiheiten mit ein?

Es ist eine gute Mischung. Wenn ich an einem Ort war, hatte ich manchmal das Gefühl, ich kann diesen genauso abzeichnen. Wir hatten dann auch die Idee, echte Chemnitzer im Buch zu zeigen. Dafür habe ich auf dem 100-Meter-Markt auf dem Kaßberg Menschen gezeichnet und Fotos für meine Skizzen gemacht und sie mit ins Buch gebracht. Ich habe aber auch Menschen, die ich im Alltag beobachtet habe und welche aus meinem persönlichen Umfeld, Freunde von früher und heute dazu gezeichnet, um die komplette Realität abzubilden. Die Bilder zeigen also durchaus viel meiner persönlichen Wahrnehmung.

Auf insgesamt sechs Doppelseiten zeigt Stephanie Brittnacher die verschiedenen Facetten der Stadt anhand ausgewählter Szenarien in mehreren Stadtteilen. Mit dabei ist der Schloßteich, der Kaßberg, die Innenstadt mit dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt, der Sonnenberg mit dem Bauspielplatz, die Burg Rabenstein mit einem Rittermarkt und der Küchwald mit der für den Ort typischen Parkeisenbahn. In mühsamer und detailreicher Kleinstarbeit wimmeln an diesen Orten originale und fantastische Chemnitzer und zeigen den Alltag in der Stadt.

Wie kam die Auswahl für die Motive zustande?

Ich fand, die Ortsauswahl trifft ganz gut den Nerv der Zeit. In Chemnitz wird sich viel damit auseinandergesetzt, wie einzelne Stadtteile oder Quartiere, zum Beispiel der Brühl oder der Sonnenberg, belebt und gestaltet werden können. Das Familienleben findet ja auch eher vor der eigenen Haustür und in den Parks und Plätzen der Stadtteile statt als zum Beispiel auf dem Theaterplatz, den ich deshalb nicht ausgewählt habe. Der Platz ist sehr schön und beeindruckend, aber wird weniger zum Verweilen genutzt, sondern eher für Attraktionen und Veranstaltungen.

Was war die größte Herausforderung bei den Motiven?

Ich habe bei den Motiven manchmal versucht, mich in eine Kinderperspektive hinein zu versetzen, weil mir das geholfen hat, freier zu zeichnen. Die geografische Genauigkeit ist nicht ganz so wichtig. Bei dem Sonnenberg-Motiv habe ich teilweise ganze Straßenzüge weggelassen oder so gestaltet, dass sie zum Bild passen, so hat auch das Stadion einen Platz bekommen. Mir ging es mehr darum das Typische und das Gefühl des Stadtteils wiederzugeben.

Jedes Bild hatte seine eigene kleine Herausforderung. Beim Schlossteich und beim Küchwald habe ich viel zusammengefasst und habe bis zum Schluss an den Motiven gefeilt. Ich musste immer wieder nachschauen, wie die Orte und Details wirklich aussehen und habe dadurch für mich neue Ecken der Stadt besser kennengelernt.

Gab es Motive, die leichter von der Hand gingen?

Definitiv der Sonnenberg. Ich lebe und arbeite hier und kenne inzwischen viele Ecken aus dem Kopf. Beim Weihnachtmarkt dachte ich, dass es auch einfach wird, weil wir uns hier für eine sehr klassische Perspektive entschieden hatten. Man findet auch im Sommer viele Fotovorlagen und Infos, mit denen ich sehr gut arbeiten konnte. Beim Zeichnen habe ich allerdings eine gewisse Ehrfurcht vor den Details bei Figuren und Schwibbögen entwickelt, die vielen Menschen wichtig sind. Ich hoffe, dass die Erzgebirger zufrieden sind.

Chemnitz bewirbt sich als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Was wünschst du dir bis dahin für die Stadt?

Kurz gesagt: Mehr junge Menschen, mehr Zuhören und mehr Vertrauen.

Die Lebensqualität wird in Chemnitz, wie in anderen Städten durch mehr Kultur wachsen.  Mich beeindrucken die vielen engagierten Menschen hier sehr, die kleine Kunstfestivals ins Leben rufen, Angebote schaffen, Menschen von überall her einladen und einen frischen Blick auf die Stadt ermöglichen. Das muss mehr unterstützt und das Fundament unbedingt gestärkt werden, damit man die Motivation hierfür nicht allein und immer wieder aus sich selbst ziehen muss.

Das Wimmelbuch über Chemnitz ist ab sofort bei allen örtlichen Buchhändlern erhältlich.

2 0 1. November 2018 gepostet am

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