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Die Leute sind zu uns gekommen, um etwas Wahrheit zu erfahren

Hartwig Albiro war 26 Jahre lang Schauspieldirektor in Karl-Marx-Stadt und Chemnitz. Die großen Namen des Hauses fallen in seine Zeit: Schauspieler, wie Ulrich Mühe, Corinna Harfouch und Regisseure, wie Frank Castorf und Hasko Weber. Am 7. Oktober 1989 wurde er durch seinen Mut zu einer Galionsfigur des Protestes gegen die Zustände in der DDR. Der 82-Jährige ist bis heute weit über „sein“ Theater hinaus engagiert und der Stadt als kritischer Geist erhalten geblieben.

Herr Albiro, das soll kein Verhör werden, aber wo waren Sie in den Abendstunden des 7. Oktober 1989?

Da war ich im Schauspielhaus. Da lief eine Vorstellung, ein Gastspiel vom Staatstheater Dresden. Das Stück hieß „Nina, Nina, Tam Kartina“ – die Dramatisierung eines Romans von Daniil Granin. Ein brisantes Gegenwarts-Stück, das sich mit der Bürokratie des Stalinismus auseinandersetzt. Nach der Vorstellung habe ich dann eine Resolution im Schauspielhaus vorgetragen, die wir einige Tage vorher verfasst hatten.

Können Sie kurz erklären, was der Anlass dafür war, dass sich Widerstand formierte?

Die Kritik am Staat verstärkte sich nach den Wahlen im Mai 1989. Es hatten sich Gruppen gebildet, die die Wahl beobachten wollten. Das hat es auch in Karl-Marx-Stadt gegeben und hier, wie im ganzen Land, hat man Ungenauigkeiten festgestellt. In der Stadt gab es dann verschiedene Strömungen. Ich kenne mich natürlich am besten mit dem Theater aus. Wir hatten unsere Kunst immer als kritischen Beitrag zu der Situation gesehen.

Am Luxor steht auch das Denkmal für die friedliche Revolution, an dem Sie mitgewirkt haben. Warum haben sich die Menschen damals denn genau dort getroffen?

Der 7. Oktober war ja der 40. Jahrestag der Republik. Da waren wir als Theater angehalten einen Tag der offenen Tür zu machen. Das war für uns immer eine sehr ungeliebte Angelegenheit. Alle Sparten des Theaters sollten dabei sein. Das Luxor war die damalige Spielstätte des Musiktheaters. Die Vorbereitungen liefen seit Mai. Ich hatte einen Schauspieler gebeten, etwas Satirisches zu schreiben, damit wir nicht ganz so feierlich zum 40. Jahrestag daher kommen. Aber dann kam in den Sommermonaten die Grenzöffnung in Ungarn und die Septembertage waren voller lebendiger Ereignisse. Es gärte in der Bevölkerung und die Presse log darüber. Honecker kommentierte die vielen Jugendlichen, die über Ungarn in den Westen flüchteten nur mit: „Denen weinen wir keine Träne nach“. Das hat uns zutiefst verärgert und erbost.

Da passte uns dieser Jubelfeiertag gar nicht mehr ins Programm. Wir wollten nicht jubeln und auch das kritische Kabarett war uns zu wenig. Da hat ein damaliger Schauspiel-Student vorgeschlagen, wir könnten ja kritische Texte von DDR-Autoren und vom Neuen Forum vortragen. Dieser Student war Hasko Weber, heute Generalintendant am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Er hat auch in der Johanniskirche verkündet, was wir geplant hatten. Dort waren Kirchenleute und Oppositionelle, aber das sprach sich rum, wie ein Lauffeuer in der ganzen Stadt. Natürlich auch bei der Staatssicherheit. Hasko Weber und der Intendant wurden dann einbestellt und das Programm wurde untersagt. Offiziell hieß das: „Wir geben die dringende Empfehlung das nicht aufzuführen. Wir werden da sein.“

Wir haben uns dann am 7. Oktober einfach morgens um 9 Uhr am Luxor getroffen. Da war der Saal bereits gefüllt. Draußen vor der Tür standen noch hunderte mehr Menschen. Kampfgruppen, getarnt als Bauarbeiter, hatten das Gelände abgesperrt. Es war klar: Das ist eine ganz hoch brisante Situation. Drinnen hatte gegen 10 Uhr die Vorführung mit ein paar Operetten-Melodien angefangen. Der Saal war überfüllt und die Absperrung wurde dann gestürmt. Da sagte der Intendant: „Ich breche Veranstaltung wegen Überfüllung des Saales ab.“ Damit waren die Leute nicht einverstanden. Sie warteten auf den Schauspielbeitrag. Da ist Hasko Weber auf die Bühne gegangen und hat gesagt: „Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Lesung findet nicht statt, weil es uns verboten wurde.“ Die Situation drohte zu eskalieren. Da bin ich auf die Bühne, habe um Ruhe gebeten und habe gesagt: „Es ist leider so, dass wir die Texte nicht vortragen dürfen. Es ist nicht unsere Entscheidung, das haben Sie gehört. Aber ich bitte Sie, bleiben Sie friedlich und ruhig. Lassen Sie den Vormittag nicht in einer Schlägerei enden.“ Ich wollte auch vermeiden, dass die Staatssicherheit eingreifen kann. Und aus dieser Situation hat sich der Saal langsam geleert und viele standen dann noch vor dem Luxor. Da haben wiederum die Schauspieler gesagt: Wir könnten doch losgehen. Wir gehen einfach mal durch die Stadt. Da hat sich ein Schweigemarsch entwickelt, der vom Luxor zur Zentralhaltestelle ging.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an diesen Tag zurückdenken?

Unsere friedliche Demonstration hat die Einsatzkräfte der Staatssicherheit mobilisiert und wir wurden in einen Kessel getrieben. Es fing normal an und wurde immer bedrohlicher. An der Zentralhaltestelle kamen Wasserwerfer zum Einsatz und es gab Festnahmen. Die friedliche Demonstration wurde mit Gewalt aufgelöst. Das hatte ich nie von der DDR erwartet.

Hatten Sie infolgedessen keine Angst, sich abends offen gegen die Regierung zu stellen? Gerade in Ihrer herausgehobenen Position?

Wir, die Kollegen des Schauspielensembles, waren nach den Ereignissen des Vormittags sehr empört und haben uns am Nachmittag schon unterhalten. Das wollten wir nicht auf uns sitzen lassen und haben dann vereinbart, dass wir abends die Resolution vortragen wollten und dass ich das am besten machen sollte. Das war keine leichte Entscheidung. Das konnte mich die Existenz kosten, das war mir klar. Aber ich hab gesagt ich mach das.

Die Gefährlichkeit des Unterfangens war mir erst später wirklich klar, als ich meine Stasiunterlagen gesehen habe. Da hatten IMs Dinge zusammen getragen, die in der Summe reichten, um mich kalt zu stellen. Das wusste ich aber in dem Moment nicht. Ich wusste nur: Ich riskiere mit dem öffentlichen Auftreten zumindest eine scharfe Auseinandersetzung mit den Behörden und vielleicht auch ein Berufsverbot.

Würden Sie sagen, dass das Theater kritisch war?

Genau das war unser Programm – eine kritische Solidarität mit dem Ziel, den Finger auf Wunden zu legen. Wir wollten Missstände benennen, Missstände beheben, aber nicht den Staat abschaffen. Die Stücke, die im Spielplan waren, wurden schon nach diesem Aspekt ausgesucht: Was kann es der Gesellschaft im Sinne einer Veränderung helfen? Brecht spricht von der Okulierung des Obstbaumes. Also nicht abhacken, sondern veredeln. Und auch die Klassiker wurden unter diesem Aspekt interpretiert. Ich verwende da als Beispiel gerne Schillers Don Karlos. Da sagt der Marquis Posa zum König: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!“ Dieser Satz war natürlich hoch aktuell in der DDR. Das hat der Schauspieler dann so ein bisschen in den Zuschauerraum hinein gesagt. Da gab es Szenenapplaus oder Raunen. Das waren unsere Ventile gegen die Missverhältnisse in der DDR. Das wurde bemerkt, honoriert und das war auch ein Teil des Erfolges des Schauspielensembles. Wichtig war, neben der künstlerischen Gestaltung, auch immer die politische Aussage. Die Leute sind zu uns gekommen, um etwas Wahrheit zu erfahren über die DDR und zwischen den Zeilen zu lesen.

Und wie ist es nach dem 7.Oktober für Sie weiter gegangen? Mussten Sie irgendwelche Konsequenzen tragen?

Ich war erstmal glücklich und stolz, dass wir uns von diesem Druck befreit hatten, indem ich den Mund aufgemacht hatte. Und dann hab ich erwartet, dass etwas passiert. Das jemand vor meiner Tür steht, wenn ich abends nach Hause komme. Das fand aber nicht statt. Dann hab ich zuhause geguckt, was ich habe. Die Westliteratur versteckt und die hundert Westmark, die ich noch hatte, sicher verstaut. Ich hab mit einer Hausdurchsuchung gerechnet. Es passierte aber nichts. Das war ja ein Samstag. Und auch am Sonntag riefen nur Leute an, um mir zu danken. Die haben gesagt: „Wenn Ihnen was passiert, dann stehen wir zu Ihnen.“ Ich spürte da nochmal eine Menge Solidarität über die Theaterwelt hinaus. Später war ich dann in meinem Garten, habe Bäume verschnitten, als das Telefon klingelte. Ich möge doch bitte 15 Uhr ins Rathaus kommen.

Da war der Generalintendant, der Oberbürgermeister, der Stadtrat für Kultur und noch zwei-drei Figuren, die ich noch nicht kannte. Offenbar Stasi-Leute. Da wurde dann gefragt, warum ich das gemacht hätte und da hab ich das erklärt. Die generelle Unzufriedenheit der Menschen, aber auch den Anlass. Dass der friedliche Zug, den wir gemacht hatten, mit Gewalt auseinander getrieben wurde. Und dass ich da nicht mehr schweigen konnte.

Es ging dann hin und her und wurde diskutiert, ob ich politisch in der Lage sei, das Ensemble weiter zu führen. Das war so eine Drohung. Und dann bekam ich die Weisung vom Oberbürgermeister, dass weder ich noch irgendein Karl-Marx-Städter Schauspieler forthin die Resolution vortragen dürften.

Und dann mussten Sie sich zurücknehmen?

Im Theater hatte sich mittlerweile rumgesprochen, dass ich vorgeladen war. Da haben wir gemeinsam überlegt, was wir jetzt machen sollten. Und dann habe ich einen ganz wunderbaren Akt der Solidarität erlebt: Ich wurde in mein Büro geschickt, die Kollegen würden das alleine regeln. Die Dresdner hatten wieder gastiert. Und dann haben meine Schauspieler mit denen vereinbart, dass ein Dresdner Schauspieler die Resolution vorträgt. Das war uns durch die Weisung ja nicht verboten worden. Derjenige, der das vorgetragen hat, war der Parteisekretär der Gruppe Schauspiel vom Staatstheater Dresden. Das muss man sagen. Da waren auch die Genossen teilweise dabei.

Die Ereignisse im Herbst ´89 sind jetzt 25 Jahre her. Wie hat Sie das, was da passiert ist, verändert?

Als Person habe ich mich nicht geändert. Ich stehe dazu, meine Meinung zu sagen. Wobei man natürlich, wenn man älter wird, begreift, wie kompliziert die Welt ist und dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt.

Sie waren vor ihrem Engagement in Karl-Marx-Stadt schon in Görlitz und Berlin aktiv. Nachdem Sie Ihre Karriere in der Spielzeit 95/96 beendet haben, sind Sie der Stadt treu geblieben. Warum?

Geplant war es nicht. Angedacht waren mal fünf Jahre, als ich hierher gekommen bin. Das ist auch die Norm im Theater. Der Wechsel hat Vorteile, weil man natürlich auch andere Umgebungen sieht. Als die ersten fünf Jahre vorbei waren brannte aber das Schauspielhaus ab. Da konnte und wollte ich nicht weg. Wir wollten als Truppe zusammen bleiben und die Zeit überstehen, obwohl ich andere Angebote hatte. Es war eine bewusste Entscheidung zu bleiben, bis das Schauspielhaus wieder aufgebaut war. Das war ´80. Da mussten wir erstmal wieder Fuß fassen und dann ging es relativ schnell mit den großen politischen Dimensionen. Da kam dann Gorbatschow und dann war es hier besonders gut, dass wir ein Klima hatten, in dem wir mehr den Mund aufmachen konnten, als anderswo in der DDR. Dann war plötzlich ´89/´90 und wieder eine neue Situation und dann musste ich beweisen, dass das Ensemble in der Bundesrepublik immer noch leistungsfähig ist und das wir unter neuen Verhältnissen auch bestehen können.

Fühlen Sie sich heimisch in Chemnitz?

Ja, ich bin mittlerweile angekommen. Der schwierige Wechsel war ja ´90. Die neuen politischen Verhältnisse. Das war eine große Umstellung für jeden DDR-Bürger.

Und wie hat sich die Stadt in 25 Jahren verändert?

Man kann schon sagen die Stadt war ein graues Elend. In Karl-Marx-Stadt gab es für mich nur das Theater und die Umgebung mit Wald und Erzgebirge. Mit der Möglichkeit die Stadt zu verändern und auch architektonisch neu zu gestalten nach ´90 fühlte ich mich der Stadt dann auch enger verbunden. Vorher hab ich mich der Schauspielkunst in der Stadt verbunden gefühlt. Diese sozialistische Großstadt mit Plattenbauten – das war nicht so mein Ding.

Jetzt gibt es ein Zentrum. Die urbane Innenstadt, die es jetzt gibt, ist ein großer Gewinn für die Stadt. Auch wenn das vielleicht nicht alle so sehen. Ich finde schon, dass die Stadt sehr viele neue Schönheiten hat und die alten Schönheiten, wie den Kaßberg, wieder entdeckt hat. Bei allen Rückschlägen und Schwierigkeiten sehe ich doch eine positive Entwicklung. Das würde ich schon so sagen. Ich gehöre nicht zu denen, die immer nur nörgeln. Man soll kritisch sein, keine Frage. Aber insgesamt geht es der Stadt doch wirtschaftliche ganz gut und wir haben eine reiche Kulturszene. Ich spüre ein Bemühen, die Stadt voran zu bringen, auch wenn das nicht immer gelingt.

Ist alles so gekommen, wie Sie es sich erhofft hatten?

Ich kannte westdeutsche Großstädte und so gesehen hat sich die Stadt in eine solche Richtung entwickelt. Das heißt aber nicht, dass das mein Traum war. Meinen Traum, wie sich die Stadt entwickeln soll, kann ich gar nicht so konkret fassen. Mir wäre mehr Erhalt alter Substanz wichtig. Ich sehe aber natürlich die wirtschaftlichen Hintergründe. Aber die vielen Industriebrachen, die noch rumstehen, wären es wert, erhalten zu werden. Ich bin mir aber bewusst, dass mit der Erhaltung eines Gebäudes auch eine Nutzung einhergehen muss. Diese Schwierigkeiten möchte ich nicht leugnen. Mehr Urbanität, wie in manchen deutschen Kleinstädten wäre schön, aber dafür haben wir die Substanz nicht.

Was machen Sie inzwischen?

Ich bin Ehrenmitglied der Städtischen Theater und gern gesehener Premierengast. Vor kurzem habe ich noch selbst eine kleine Rolle in „Arsen und Spitzenhäubchen“ gespielt. Das haben wir drei Spielzeiten lang aufgeführt. Jetzt am 3. Oktober wirke ich in einem Stefan Heym Programm im Schauspielhaus mit. Ich bin beteiligt am Kunstgeschehen und fühle mich wohl dabei, dass ich bemerkt werde und mich äußern kann.

Außerdem bin ich Mitglied der AG Chemnitzer Friedenstag. In der Angelegenheit verleihen wir nicht nur den Chemnitzer Friedenspreis, sondern gestalten maßgeblich den Friedenstag und beschäftigen uns sehr mit Fragen der Ausländerfreundlichkeit und dem Asylbewerberheim. Wir bemühen uns, Einfluss zu nehmen auf die Bürger, aber auch auf die Stadtverwaltung, dass wir ein harmonisches Verhältnis zu den ausländischen Bürgern und Migranten gestalten. Das ist ein Teil der Arbeit, wo ich mich kräftig einbringe. Das empfinde ich als die größte Baustelle. Aufzupassen, dass die Gesellschaft nicht abdriftet in radikale Richtungen. Darauf sind unsere Kunstereignisse das ganze Jahr über ausgerichtet. Da sehe ich den Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Arbeit: Das friedliche Chemnitz voranzutreiben.

Sie haben sich nach der Wende unter anderem im Bürgerverein für Chemnitz engagiert. Hat sich ihr gesellschaftliches Engagement aus der Wendezeit heraus entwickelt?

Das hat einerseits schon etwas mit der Tradition zu tun, dass ich mich mein Leben lang eingemischt habe. Andererseits gestaltete sich die Entwicklung von Karl-Marx-Stadt zu Chemnitz widerspruchsvoll. Das Schauspiel Karl-Marx-Stadt war bekannt. Unter Schauspiel Chemnitz kannte uns niemand. Das war auch mit den Sportlern so und der Wirtschaft zum Teil. Nach der Wende haben wir es einfach nicht geschafft, die Stadt von ihrem Schmuddel-Image zu befreien. Das war eine schwierige Phase. Es gab nicht wenige, die frustriert waren und resigniert haben. Dem wollte ich entgegen treten.

Ich merkte, wie Chemnitz gegenüber Dresden und Leipzig immer hinten anstand. Auch das hatte es in der DDR so nicht gegeben. Das waren gleichgestellte Bezirkshauptstätte. Dieses Verlust-Image wollte ich mit bekämpfen. Es musste verhindert werden, dass Chemnitz ungerecht als Aschenputtel behandelt wird.

Wie wollten Sie das erreichen?

Ich bin mit dem Bürgerverein für Chemnitz angetreten, um zu zeigen, dass Chemnitz lebens- und liebenswert ist. Wir haben mit verschiedenen Aktionen dazu beigetragen, dass die Kräfte in der Stadt unterstützt wurden, die für ein freundliches und auch kulturvolles Chemnitz stehen. Kultur hat immer eine Rolle gespielt. Und dann kam relativ schnell auch die Frage der Ausländerfreundlichkeit, die Arbeit gegen Rassismus und Intoleranz. Da wurde es dann politisch. Ich habe den Chemnitzer Friedenspreis mit initiiert, der alljährlich vergeben wird. Der Chemnitzer Friedenstag, der am 5. März stattfindet und jetzt so heißt, den gab es früher nicht. Da gehöre ich zu denen, die den auch mit gegründet haben. So haben wir uns eingemischt in der Stadt.

Muss man den Chemnitzern Mut machen, zu Ihrer Stadt zu stehen?

Unbedingt! Das ist ein Mangel der Chemnitzer. Man kann es als Bescheidenheit formulieren, aber ich empfinde es schon als Mangel, dass sie ihre Stadt unter Wert beurteilen. Vor allem nach außen hin. Und ich kenne nicht wenige Menschen, die zum ersten Mal nach Chemnitz kommen und erstaunt sind, welche schönen Winkel die Stadt hat. Die sind nicht immer sofort präsent, aber sie sind vorhanden. Der Chemnitzer kann stolz sein auf diese Stadt, ohne zu übersehen, dass es da viel zu tun gibt. Aber diesem „Es ist nichts los“ kann ich mich nicht anschließen. Ich kann jeden Abend etwas unternehmen. Klar ist nicht Dauer-Discobetrieb überall. Aber ich kann schon ein vielfältiges kulturelles, sportliches Angebot in der Stadt nutzen. Einmischen und den Mund aufmachen kann man, aber rumnörgeln ist nicht mein Ding. Das bringt ja auch nichts. Man kann ja nur etwas verbessern, wenn man sich beteiligt.

10 0 1. Oktober 2014 gepostet am

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