Andreas Kruse
Ehrenamtler

Macher der Woche

Ehrenämter sind für alle ein Gewinn

„Wer engagiert ist, ist so geboren“, findet Andreas Kruse. Der Chemnitzer Rentner setzt seine vielen Hobbys für andere ein. Er ist nicht nur Kantor, wenn er gebraucht wird, sondern gibt auch kleine Konzerte und gestaltet Andachten in einem Pflegeheim in Grüna musikalisch aus. Die Ärmel hochkrempeln anstatt zu jammern – das war schon immer sein Motto. Deshalb hat er sich wegen der Corona-Pandemie, als alle zuhause bleiben mussten, etwas Besonderes überlegt: Er produziert Andachten für Bewohner in Pflegeheimen und nimmt sie auf CD auf.

Sie arbeiten seit zwei Jahren ehrenamtlich im Pflegeheim „Haus am Wald“ in Grüna. Was ist Ihre Aufgabe?
Andreas Kruse:
Zwei Mal im Monat kümmere ich mich um die musikalische Ausgestaltung der Andachten. Diese finden vormittags für jeweils etwa eine Stunde statt. Dafür bringe ich ein Mischpult, Boxen und ein Mikrofon mit und spiele vorwiegend moderne Kirchenlieder zum Mitsingen für die Heimbewohner. Auch ein Weihnachtskonzert durfte ich schon geben.

Seit Andreas Kruse etwa 18 Jahre alt war, ist er in der Kirche aktiv. In seinem eigenen Recording-Studio erstellt er Playbacks. Denn in der Kirche kann er nur allein am Keyboard spielen, „aber es soll am Ende ja wie eine ganze Band klingen“. Im Pflegeheim nimmt Andreas Kruse die Andachten live auf, damit er sie auch bettlägerigen Patienten zukommen lassen kann. Während der Ausgangsbeschränkungen übernahm er außerdem die Videobearbeitung für aufgezeichnete Gottesdienste, damit sie auf YouTube veröffentlicht werden konnten. So können sich die Menschen, die zurzeit nicht vor Ort teilnehmen können, die Gottesdienste zuhause anschauen.

Wie ist die Idee entstanden, eine CD mit einem Ostergottesdienst aufzunehmen?
Andreas Kruse:
Durch mein Recording-Studio zuhause habe ich die technischen Möglichkeiten, CDs aufzunehmen. Das wollte ich nutzen, damit die Menschen, die während der Ausgangsbeschränkungen isoliert waren, trotzdem einem Gottesdienst zu Ostern lauschen können. Also hat Christiane Escher von der Stadtmission die Predigt auf ihrem Handy eingesprochen, ich habe noch Lieder eingesungen und dann alles auf CDs kopiert. Diese haben wir an Pflegeheime verteilt und mir wurde erzählt, dass es sehr gut ankam.

Zu Pfingsten will Andreas Kruse die nächste CD mit einer Andacht produzieren. Außerdem möchte er solche Veranstaltungen zukünftig auf Video aufzeichnen, damit die Heimbewohner sie auf den eigenen Fernsehgeräten anschauen können. Videos von selbst eingesungenen Liedern lädt Andreas Kruse außerdem auf seinem eigenen YouTube-Kanal unter https://www.youtube.com/c/ankch51hobby hoch.

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Andreas Kruse:
Ich möchte für andere da sein und habe keinen Spaß daran, nur Dinge für mich selbst zu tun. Meine innere Einstellung ist zu helfen und meine Zeit zu verschenken. Und man bekommt schon ein „Danke“, wenn man im Pflegeheim nur einmal jemanden freundlich anspricht. Mir bereitet die ehrenamtliche Arbeit Freude und ich erfahre dafür Wertschätzung und Dankbarkeit – allein dafür lohnt es sich.

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Corona-Pandemie?
Andreas Kruse:
Ich hoffe, dass die Menschen die Zeit zum Nachdenken nutzen und sich klar werden, dass es nicht so weitergehen kann wie vorher, zum Beispiel was den Umgang mit unserer Erde angeht. Dass sie merken, dass man auch über Videokonferenzen gut zusammenarbeiten kann und nicht immer reisen muss. Außerdem wünsche ich mir, dass wir als Gesellschaft zusammenwachsen, um künftige Herausforderungen besser meistern zu können. Und für mich selbst wünsche ich mir, dass die Menschen wieder Zeit haben, sich gegenseitig richtig zuzuhören, ehrliche Gespräche zu führen und dadurch voneinander lernen.

0 0 29. Mai 2020 gepostet am

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