Dr. Karin Weigelt und Jan Thiele
Prismade Labs GmbH

Macher der Woche

Einzigartige Technologie aus Chemnitz

Hinter einem üblichen Häuserkarree auf dem Kaßberg erwartet man Parknischen, Spielplätze oder grüne Wiesen. Nicht so in der Gustav-Adolf-Straße 3, dem Firmensitz des Unternehmens Prismade Labs GmbH. In einem verwinkelten zweigeschossigen Haus im Hinterhof befindet sich das Büro von Dr. Karin Weigelt, ihrem Geschäftspartner Jan Thiele und dem internationalen Team aus neun Mitarbeitern. Für ihre innovative Drucktechnologie erhielt Karin Weigelt den Sächsischen Gründerinnenpreis. Was edding mit dem Unternehmen zu tun hat und wie Farben Informationen leiten, erzählen die Prismade-Gründer im Interview.

Wie entstand 2016 die Idee zu dem Unternehmen prismade?

Karin Weigelt: Ich habe Print- und Medientechnik an der TU Chemnitz studiert und bin dort zum ersten Mal mit der Thematik gedruckte Elektronik in Kontakt gekommen. Die Drucktechnologie hat mich dann durch meine gesamte Studienzeit begleitet und auch meine beruflichen Entwicklungen geprägt. In einem meiner Jobs habe ich dann Jan Thiele kennengelernt. Wir hatten beide unheimlich viele Ideen zu dem Thema. Da aber die Strukturen bei unserem damaligen Arbeitgeber nicht viel Raum und Zeit für kreative Ideen und Entwicklungen ließen, haben wir den Schritt gewagt und unsere eigene Firma gegründet. Prismade bedeutet übrigens PRInted SMArt DEvices.

Jan Thiele: Ich habe Drucktechnologie studiert und bereits im Studium meine ersten Erfahrungen mit einem eigenen Unternehmen gemacht. Bei Prismade bin ich für die Bereiche Vertrieb und Marketing zuständig. Viele kennen die QR-Codes, die auf verschiedenen Plakaten, Abbildungen oder Verpackungen zu finden sind. Da diese Technologie einfach kopierbar ist, haben wir eine neue unsichtbare und sichere Technologie mit Hilfe von elektrisch leitfähigen Farben entwickelt.

Was hat es mit den Farben auf sich, die Informationen vermitteln können?

Jan Thiele: Die Farben basieren auf elektrisch leitfähigen Materialien, wie beispielsweise Kohlenstoff, und werden direkt auf die Verpackungen, Plastik oder Folie gedruckt. Die Sensoren des Touchscreens eines herkömmlichen Handys lesen die Farben so wie sie sonst einen Fingerdruck erkennen. Das Besondere dabei ist, dass die elektrisch leitfähigen Farben die Produkte nicht zu Elektronikschrott machen. Die Verpackungen sind also weiterhin normal recyclebar. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zur RFID-Technologie. Außerdem braucht man für den Druck der Farbcodes keine speziellen Drucker. Es lässt sich alles mit Maschinen produzieren, die im Markt vorhanden sind.

Jan Thiele führt die Technologie vor. Er legte eine herkömmlich aussehende Tablettenschachtel auf sein Smartphone. Die App, die er dafür zuvor geöffnet hat, gibt ein Feld vor, auf dem die Verpackung aufgelegt werden muss. Mit dem Finger wischt er neben der Verpackung auf seinem Display von oben nach unten. Die Sensoren des Displays lesen den Farbcode, der auf der Verpackung aufgedruckt ist, aber unsichtbar bleibt. Das Ergebnis: Das Medikament wurde als Originalprodukt verifiziert. Die Packungsbeilage wird angezeigt und lässt sich für Sehgeschädigte oder Blinde vorlesen. Zudem erscheint ein Kalender, in dem der Nutzer eintragen kann, wann und wie häufig er die Tabletten einnehmen muss. Inklusive Erinnerungsfunktion. „Diese Technologie ist weltweit einzigartig“, erzählen Karin Weigelt und Jan Thiele stolz.

Daher hat sich dann auch das Unternehmen edding für Sie interessiert?

Jan Thiele: Edding ist für seine Marker und Stifte bekannt. Wir arbeiten an digitalen Lösungen im Bereich der gedruckten Elektronik. Also kam edding auf uns zu, um gemeinsam an einer digitale Markierung zu arbeiten. Das Ganze nennt sich edding code. Wir liefern das technische Know-how. Der Familienkonzern edding bringt Vertriebsstärke und Ideen für die Anwendungen mit. Ziel der Kooperation ist es, beispielsweise Dokumente oder Medikamentenverpackungen fälschungssicher zu machen. Probleme mit gefälschten Medikamenten gibt es vor allem in Asien und Afrika.

Für diese innovative Idee und Ihr Engagement, ein eigenes Unternehmen zu gründen, haben Sie, Frau Weigelt, den Sächsischen Gründerinnenpreis gewonnen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Karin Weigelt: Wir haben tatsächlich vorher im Team darüber diskutiert, ob es der richtige Weg ist, Diskriminierung mit Diskriminierung zu bekämpfen, in dem man sich für einen Preis bewirbt, der sich ausschließlich an Frauen richtet. Aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es gut ist, darauf aufmerksam zu machen, dass auch Frauen aus Bereichen wie den MINT-Fächern alles erreichen können. Ich habe mich daher beim Sächsischen Gründerinnenpreis beworben und war überrascht, dass ich schließlich eine der beiden Preisträgerinnen war. Natürlich brachte uns der Preis auch viel Aufmerksamkeit, die wir genutzt haben, um unsere Idee zu verbreiten. Der Preis ist eine sehr gute Sache ist, um Frauen Mut zu machen, sich zu trauen und vor allem sich zu zeigen. Es gibt tatsächlich viele Frauen, die sich selbstständig gemacht haben, aber eher im Dienstleistungssektor. In der Technologiebranche sind es eher weniger und das sollte sich ändern. 

Nur knapp 30% der Gründer sind weiblich und nur 8% der Frauen sind selbstständig. Warum glauben Sie, ist der Anteil der Frauen in der Gründerszene so gering?

Karin Weigelt: Ich denke, dass die Rollenvorstellungen von Jungen und Mädchen noch sehr tief in der Gesellschaft verankert sind. Das zeigt sich schon in der Schule. Es wird immer betont, dass Mädchen schön schreiben und Jungs gut rechnen können. Später dann sitzt eine Studentin unter hunderten männlichen Kommilitonen, wenn sie zum Beispiel Informatik studiert.

Jan Thiele: Man ermuntert oft Jungs, vor allem in der Schulzeit, dass sie sich trauen sollen, etwas anpacken sollen. Das sollte man auch viel mehr bei Mädchen machen, sie ermutigen, etwas zu wagen, schon von klein auf!

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit mehr Frauen in die Selbstständigkeit gehen oder ihre Geschäftsidee umsetzen?

Karin Weigelt: Generell sollte man Frauen mehr dazu ermutigen, dass sie ein Risiko eingehen. Darum geht es ja am Anfang bei einer Firmengründung. Die Geschlechterrollen, die schon im Kindergarten vermittelt werden, sollte man aufbrechen. Außerdem sollte man von dem herkömmlichen Modell abkommen, bei dem von einer Führungsposition erwartet wird, dass sie 60 Stunden pro Woche arbeitet. Es wird erwartet, dass die Leute sehr kreativ arbeiten. Dafür muss man aber auch die Rahmenbedingungen schaffen, und dazu gehören eben auch flexiblere Arbeitszeiten, sowohl für Frauen als auch für Männer. Es sollte kein Problem darstellen, wenn die Kinder mal mit auf Arbeit sind, weil vielleicht gerade keine Betreuungsmöglichkeit da ist.

Jan Thiele: Es ist wichtig, dass man ein Arbeitsklima schafft, indem auch die privaten Probleme berücksichtigt werden. Wenn jemand ein krankes Kind zu Hause hat, dann sollte das Arbeitsumfeld so gestaltet sein, dass sich der Mitarbeiter auch darum kümmern kann. Denn wenn die privaten Angelegenheiten in Ruhe erledigt werden können, kann jeder konzentrierter und innovativer auf Arbeit sein. Ich denke, alle wünschen sich da mehr Flexibilität und Rücksicht.

Der Sächsische Gründerinnenpreis ist mit 5000 Euro dotiert. Wofür wollen Sie das Preisgeld einsetzen?

Karin Weigelt: Wir wollen auf jeden Fall etwas für das Team machen. Vielleicht machen wir einen Ausflug, organisieren ein Teamevent oder verschönern das Büro. Darüber diskutieren wir gerade gemeinsam.

Chemnitz bewirbt sich als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Was wünschen Sie sich bis dahin für die Stadt?

Karin Weigelt: Es ist wichtig, dass die Chemnitzerinnen und Chemnitzer offen gegenüber anderen Nationen, Religionen oder Einstellungen sind. Diese Position sollte von innen heraus getragen und verbreitet werden. Chemnitz hat so viel zu bieten. Es ist groß genug, dass man alles vor Ort hat. Aber die Stadt hat noch genau die richtige Größe, um alles in kurzen Wegen zu erreichen. Chemnitz hat so viel zu bieten, vor allem auch wirtschaftlich. Viele Chemnitzer Unternehmen arbeiten solide und erfolgreich, ohne es an die große Glocke zu hängen. Chemnitz könnte das deutlicher nach außen zeigen. Ich persönlich schätze es sehr, dass die Wirtschaft hier sehr bodenständig und fast schon bescheiden arbeitet. Ich stehe dem Hype um Startup-Gründungen zwiegespalten gegenüber. Zum erfolgreichen Aufbau eines Unternehmens gehört ja viel mehr als nur die Gründung. Diese Bodenständigkeit mag ich an Chemnitz sehr.

Jan Thiele: Ich finde, die Stadt sollte kinderfreundlicher gestaltet werden. Die Innenstadt hat sich in den letzten 20 Jahren sehr gut gemacht. Aber so kleine Oasen für Kinder fehlen noch an einigen Ecken. So könnten man auch mehr Leben in die Stadt bringen, indem man Orte schafft, an denen die Chemnitzer mit ihren Kindern gerne verweilen. Zum Beispiel wäre ein Museum zum Anfassen und spielerischen Lernen eine gute Möglichkeit, um Wissenschaft, Technik oder Kunst auch greifbarer für Kinder und generell alle Chemnitzer zu machen. Chemnitz hat viele gute Museen, aber die wirken alle eher konservativ. Dort sollte man mehr Leben reinbringen. Kinder bringen von Natur aus großes Interesse mit.

2 0 29. März 2019 gepostet am

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