Meine Geschichte

Filmpremiere zu den Ereignissen in Karl-Marx-Stadt am 7. Okt. 1989 anläßlich der Uraufführung am 7. Okt. 2013 im Clubkino

von D. Jörg List
Damals am: 7. Oktober 1989

Ich war bei der Premiere dieser erste Gastredner vor dem Mikro. Nochmal: der Film ist wichtig, notwendig & richtig gut gelungen, er sollte später ins Programm der Sächsischen Schulen integriert werden, wie vom Theaterdirektor  H. Albiro angeregt.

Aber: es fehlt noch etwas wichtiges im Film- dies soll als konstruktive Kritik den jungen Filmschaffenden helfen. Und zwar wurde für die Zeitzeugen die m.E. wichtigste Gruppe einfach völlig vergessen: der Mittelbau (sowohl vom Alter her – hier ist die damalige Generation zw. 30 – 50 betroffen, als auch von den Berufen: eine Generation, die Ihre Ausbildung schon beendet hat + im  Berufsleben steht, egal ob als Arbeiter, Ingenieur, Krankenschwester, Ärztin oder Lehrerin- Vertreter der werktätigen Bevölkerung.…, sowie dazu schon Familien bzw. Kinder hatten).

Diese Gruppe stellte damals am 7. Oktober in Karl-Marx-Stadt wohl ca. 90 % der Beteiligten? Und die Mehrzahl dieser Gruppe hatte damals wohl größte Ängste- war aber trotzdem dabei (siehe –Die Stadt bin ich- meinen Bericht „Enttäuschung nach dem 7. Oktober 1989 in Karl-Marx-Stadt (40. Jahrestag der Republik)“ veröffentlicht am 17.11.2014).

Zur Erklärung: Befragt wurden nur zwei Extreme, die damals eher Randgruppen darstellten?

Erstes Extrem: die befragten Jugendlichen mit nur 20 Jahren, die im Oktober 1989 gar keine Angst hatten (!), denen die möglichen Konsequenzen noch nicht richtig bewußt waren (eigene Worte der Jugendlichen), die fast zwangsläufig naiv + mutig waren. Ist nicht als Negativkritik gemein, nur eine Feststellung. War schon toll, dass diese Jugendlichen sich auch engagiert haben.

Zweites Extrem: Superintendent H. Magirius, den wir sehr schätzen (habe persönlich im Sommer mit ihm 2 Gespräche geführt), der aber damals nicht dabei war! Außerdem wäre er als Kirchenvertreter nicht wirklich in Gefahr durch die Staatsmacht gewesen. Dies im Unterschied zu Herrn Albiro, der sich damals große Verdienste erworben hat, in diesen Wochen der „Frontman“ für uns war, allerdings als damals schon Älterer + offizieller Vertreter der Theater Kmst. einen Sonderstatus innehatte, zumindest im großen Unterschied zur überwiegenden Mehrheit der am 7. Oktober Anwesenden (der berufstätigen Bevölkerung).

Die Bezeichnung Extrem + Randgruppen entspricht natürlich nicht der wirklichen Bedeutung, wurde nur in dieser Erstfassung noch am Abend von uns gewählt, um eine positive Diskussion + konstruktive Kritik überhaupt erst in Gang zu setzen. Falls diese dann gewünscht wird?

Hinweis der Redaktion: Im Jahr 2013 zeigten Jugendliche der Chemnitzer Filmwerkstatt erstmals ihren Film „Der 7. Oktober 1989 in Karl-Marx-Stadt. Eine Spurensuche.“ im Clubkino Siegmar. In diesem Film stellen die jungen Leute, die selbst diese Zeit nicht persönlich miterlebt haben, ihre Fragen zu den Ereignissen am 7. Oktober 1989 in Karl-Marx-Stadt. Sie führten dazu Interviews mit Zeitzeugen und recherchierten  Archivmaterial.

Über den Author:

Karl-Marx-Städter; Jahrgang 1957

6 0 27. November 2014 gepostet am

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