Toni Müller, Tobias Brunn, Josefine Möbius, Rocco Basler
Groove Attached

Macher der Woche

Groovy Chemnitz

Liebhaber des Jazz gibt es überall – auch in Chemnitz. Und einige von ihnen feiern am Wochenende das 25. Chemnitzer Jazzfest. Darunter sind vier junge Musiker, die mit ihrer Band Groove Attached das machen, was für den Jazz typisch ist: ausprobieren, gemeinsam musikalisch experimentieren und sich von Rhythmen und Melodien treiben lassen. Wir sprachen mit Sängerin Josefine Möbius, Schlagzeuger Toni Müller, Bassist Tobias Brunn und Pianist Rocco Basler.

Wieso ist der Jazz eure gemeinsame Leidenschaft?

Rocco: Viele Jazzmusiker sagen, und dem kann ich nur zustimmen: Das Schöne am Jazz ist, dass alles erlaubt ist. Als Musiker hat man in dieser Musikrichtung viele Freiräume, kann improvisieren und hat eigentlich keine vorgegebenen Grenzen. Alles, was Spaß macht, ist erlaubt.

Wie habt ihr als Band zusammen gefunden?

Toni: Tobias und ich kennen uns vom Jazzstudium aus Dresden und wir haben schon viele verschiedene Projekte zusammen gemacht. Rocco habe ich bei einer Pink Floyd Tribute Show kennen gelernt. Man merkt schnell, mit wem man musikalisch und menschlich zusammenpasst und weitere Projekte machen möchte.

Josefine: Jeder von uns hat in verschiedenen Bands gespielt. Seit 2014 spielen wir in dieser Formation zusammen. Hier kann jeder seine musikalischen Vorstellungen am besten umsetzen. Wir hatten Lust, etwas Neues auszuprobieren. Das kann man auch nicht mit jedem.

Woher kommt der Name Groove Attached?

Josefine: Für uns heißt das in etwa: Jeder Song ist eng an den Groove gebunden. Jeder Song soll groovy sein – auch wenn das nicht heißt, dass er zwingend tanzbar sein muss.

Schmunzelnd fügt Rocco hinzu, dass „Fine sehr wohl auf der Bühne tanzt“. Alle lachen und plaudern von vergangenen Auftritten. Zu sehen und zu hören war Groove Attached zum Beispiel mehrfach bei Konzerten, die der Chemnitzer Jazzclub organisierte, sowie weiteren kleineren Wohnzimmerkonzerten in der Region. Jazzstandards stehen natürlich auf dem Programm, werden aber neu arrangiert. An eigenen Songs wird gearbeitet. Stolz sind die Musiker auf einen im Jazz wohl eher selten zu hörenden dreistimmigen Satzgesang. Dann singen Josefine, Rocco und Tobias gemeinsam, was sie „aber fleißig üben müssen“.

Der Chemnitzer Jazzclub wird 25 Jahre alt. Wie kam es dazu, dass ihr beim Jubiläumskonzert des Chemnitzer Jazzclubs spielt?

Tobias: Wir kennen uns schon lange und haben oft für den Chemnitzer Jazzclub gespielt.

Toni: Da gehören wir musikalisch hin. Wir sind keine Top 40-Band, keine Gala-Band oder Tanz-Band. Wir spielen Musik, die sehr wohl tanzbar ist, aber die wir so arrangiert haben, dass wir Freude dran haben.

Rocco: Wenn es groovt, dann kommt das Tanzen von ganz alleine. (alle lachen)

Tobias: Wir sind keine Band, die nur im Hintergrund leise spielen will – wofür Jazzbands leider oft missbraucht werden.

Josefine: Wir brauchen schon ein Publikum, das uns konzentriert zuhört. Egal ob die Zuhörer nun tanzen wollen oder nicht.

Was haltet ihr von der Chemnitzer Musik- und Jazzszene?

Tobias: Um es mal vorsichtig zu sagen: Die Jazzszene ist auf dem Stand einer Embryonalphase. Die, die Jazz machen, kennen sich natürlich. Aber es fehlt bislang an Schwung. Und bei meiner letzten Jam-Session im Weltecho waren wir genau zwei Musiker. Ich hoffe, dass am 23. November bei der nächsten Session mehr los sein wird.

Toni: Als ich nach dem Studium hier in Chemnitz angefangen habe, Musik zu machen, war durchaus was los. Hinter dem Karl-Marx-Kopf im damaligen Kapital, ein Ableger des Weltechos, waren zu den Jam-Sessions viel mehr Leute da. Wir haben dort schnell Kontakte geknüpft und sind fast zum Inventar geworden.

Ihr bezeichnet euch selbst als Chemnitzer Band, auch wenn zwei von euch nicht direkt in der Stadt leben. Warum Chemnitz?

Tobias: Ich bin in Chemnitz groß geworden und habe meine ersten musikalischen Schritte hier gemacht. Das verbindet natürlich, auch wenn ich jetzt 20 Kilometer entfernt wohne. Zum Studium war ich in Dresden. Ich bin dann aber sehr bewusst zurück nach Chemnitz, um mit dem zu arbeiten, was hier ist. Es gibt als Musiker für mich keinen Grund, in eine andere Stadt zu ziehen. Ist doch schön hier. (lacht)

Rocco: Im Prinzip spielt es auch keine Rolle, wo man wohnt. Ob in einer Großstadt oder auf dem Dorf. Chemnitz ist für uns Probe- und Kreativzentrum, weil sich genau hier alle treffen. Ich wohnte im Altenburger Land, da gibt es so gut wie gar keine Jazzszene (lacht). Dann komme ich eben hierher.

Was zeichnet euch als Band aus?

Toni: Besonders viel Spaß haben wir beim Improvisieren. Da schauen wir uns an und warten ab, was der andere anbietet. Dann steigt jeder drauf ein.

Tobias: Wenn wir ein Instrumentalstück spielen, merken die meisten Leute gar nicht, dass es vollständig improvisiert ist.

Josefine: Es ist halt nicht freaky, so dass es den Zuhörer verstört, sondern nach wie vor harmonisch und groovig.

Rocco: Wir verstehen uns einfach gut – auch im musikalischen Sinne auf der Bühne. Und das spüren auch die Zuhörer.

Tobias: Es gibt nur eine Schwierigkeit: Wir finden keinen Schluss (alle lachen).

Dann versuchen wir mal den Schlusspunkt mit der letzten Frage zu setzen: Wo seht ihr euch und Chemnitz in Jahr 2025?

Tobias: Das Schöne an Chemnitz ist, dass man immer gespannt sein kann, was aus dieser Stadt noch wird. Andere Städte, wie Dresden, ruhen sich aus meiner Sicht gern darauf aus, was sie einmal waren. Da ist in Chemnitz mehr Bewegung drin.

Josefine: Für die Band: Wir haben schon das Ziel, ein abendfüllendes Konzert mit eigenen Songs und eigenem Sound zu entwickeln. Es geht uns um echte gute Live-Musik.

Tobias: Wir haben alle unsere Jobs, die mit vielen Verpflichtungen verbunden sind. Und mit Groove Attached können wir einfach mal loslegen und das machen, was wir wollen. Solange das uns so viel Spaß macht, bleiben wir dran.

1 0 18. August 2017 gepostet am

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