Meine Geschichte

Ratlosigkeit und Unordnung am 7. Oktober in Karl-Marx-Stadt

von Klaus Görner
Damals am: 7. Oktober 1989

Am 7. Oktober 1989 bin ich von meiner Wohnung aus mit meinem 9-jährigen Sohn mit der Straßenbahn in die Innenstadt gefahren. Aus der Zeitung hatte ich entnommen, dass auf dem Marktplatz ein historisches Stadtfest sein sollte. Die Straßenbahn fuhr nur bis zur Gustav-Freitag-Straße. Dann hieß es aussteigen. Die Moritzstraße war durch Polizisten gesperrt, sodass man nur über Umwege zum Marktplatz gelangen konnte. Dort war ziemliche Ratlosigkeit und Unordnung. In der Richtung Annenstraße standen LKWs und Uniformierte beförderten nicht gerade sanft einige Demonstanten auf die Wagen. Über der Innenstadt kreiste ein Hubschrauber. Es wirkte alles so wie im Kriegszustand, und ich war einigermaßen erschüttert, da ich die Bombenangriffe auf Chemnitz noch miterlebt habe.

Als im November die Mauer fiel, war für mich die Situation interessant. Man verfolgte mit großem Interesse die Medien. Die ersten Besucher fuhren in die BRD. Ich aber fuhr auf Dienstreise nach Moskau. Als ich zurückkam, hatten wir für Weihnachten von Freunden aus Lünen und Düsseldorf Einladungen, sodass wir da die BRD auch kennenlernen konnten. Wir haben aber auch in Lünen gesehen, dass nicht alles so rosig war, wie es sich die DDR-Bürger einbildeten. Doch schön ist die Einheit Deutschlands, die ich als Kriegsgeborener erstmalig bewusst wahrnehmen konnte.

3 0 17. November 2014 gepostet am

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