Kerstin Uhlig, Uwe Weise und Carsten Walther
Musikbund Chemnitz

Macher der Woche

Warum Chemnitz gerne singt

Mehr als 1.300 Sängerinnen und Sänger werden am Wochenende bei „Chemnitz singt“ das Jubiläumsjahr 875 Jahre Chemnitz begrüßen. Die Theater Chemnitz und die C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren laden am 21. Januar 2018 zu einem großen Chorevent ein. Auch Kerstin Uhlig, Uwe Weise und Carsten Walther vom Musikbund Chemnitz sind mit dabei und freuen sich auf das musikalische Großereignis.

Mit „Chemnitz singt“ startet Chemnitz ins Jubiläumsjahr. Wie hat sich der Musikbund Chemnitz eingebracht?

Carsten Walther: Wir sind in die Rolle des Vermittlers geschlüpft. Die Theater Chemnitz hatten sich ja die Aufgabe gestellt, möglichst viele Chemnitzer Chöre für die Veranstaltung zu gewinnen. Da können wir auf unser Netzwerk zurückgreifen.

Kerstin Uhlig: Wir haben für die Veranstaltung bei unseren Chören Werbung gemacht und dazu beigetragen, dass es eine breite Beteiligung von den Chemnitzer Laiensängern gibt.

Waren diese schnell von der Idee zu begeistern?

Uwe Weise: Wir wollten als Chemnitzer Musikbund sowieso unseren Beitrag zum 875-jährigen Jubiläum der Stadt leisten und hatten schon überlegt, was wir tun können. Da kam die Idee wie gerufen.

Kerstin Uhlig: Etwas Besseres als solch eine Veranstaltung zu Beginn des Jubiläumsjahres kann einem Sänger gar nicht passieren. Da geht mir das Herz auf.

Carsten Walther: Die Sängerinnen und Sänger waren schnell begeistert. Denn um so etwas zu organisieren, gehört ein wahnsinniger Aufwand dazu. Kleine Chöre können es sich oft nicht leisten, die großen chorsinfonischen Werke aufzuführen. Dazu haben sie nun die Möglichkeit – dank der Theater Chemnitz, die diese Veranstaltung mit so viel Motivation geplant haben. Das wird für die Sängerinnen und Sänger ein schönes Erlebnis, in einer so großen Besetzung zu singen.

Was soll „Chemnitz singt“ erreichen?

Kerstin Uhlig: Natürlich hoffen wir, dass die Veranstaltung dazu beiträgt, was auch wir vom Musikbund Chemnitz wollen: Freude an der Musik wecken, Auftrittsmöglichkeiten schaffen und Begeisterung für das Singen wecken.

Worauf sollte Chemnitz aus der Musiktradition heraus stolz sein?

Uwe Weise: Das Singen hat in Chemnitz eine lange Tradition, auch wenn das manchen nicht bewusst ist. Immerhin ist die Singakademie Chemnitz vor wenigen Monaten 200 Jahre alt geworden. Es gibt aber keine stringente Entwicklung. Die Kriege und politischen Umbrüche haben sich auch immer auf die Chorstrukturen ausgewirkt. Auch zu DDR-Zeiten gab es Chöre der Stadt, die international aufgetreten sind. Die Wurzeln vieler Chöre liegen schon Jahrzehnte zurück, wie das ehemalige Fritz-Heckert-Ensemble (heute Ensemble Musica) oder das Florian-Geyer-Ensemble.

Carsten Walther: Anfang der 1920er Jahre gab es im Chemnitzer Gebiet über 100 Chorvereine mit mehr als 3.500 Sängerinnen und Sänger. Das Singen gehört zur Chemnitzer Kultur fest dazu.

Was ist das Besondere am Chemnitzer Musikbund? Wofür braucht man eine solche Vereinigung?

Carsten Walther: Wir sind ein Dachverband und haben im vergangenen Jahr unser 25. Jubiläum gefeiert. 1992, als wir uns gegründet haben, war die ganze Chorlandschaft im Wandel. Es gab nach der Auflösung der DDR und der Schließung vieler Betriebe keine Betriebschöre mehr, Auftrittsorte wurden geschlossen. Damit die Chöre trotzdem weiter bestehen konnten, haben wir uns zusammen getan. Und auch heute noch ist unsere Hauptaufgabe, für Auftritte zu sorgen, Fördermöglichkeiten zu finden und vereinspolitisch zu unterstützen. Wir sind jetzt ein Verband aus 24 Chören mit 900 Mitgliedern.

Uwe Weise: Wir gehören zum Sächsischen Chorverband und eine Mitgliedschaft bei uns hat den Vorteil, dass zum Beispiel alle Fragen der Versicherung und ein Großteil der GEMA-Gebühren abgedeckt sind. Wir organisieren auch gemeinsame Veranstaltungen, wie das Sängerfest oder Benefizkonzerte.

Carsten Walther ist Präsident des Musikbundes Chemnitz. Nach seinem Job im Bereich IT freut er sich auf die Abwechslung als Sänger im Chor Ensemble Musica Chemnitz und im Gebärdenchor MONAEL & FRIENDS. Uwe Weise ist einer von zwei Vizepräsidenten, singt im Kammerchor Chemnitz und lehrt Musik am Dr.-Wilhelm-André-Gymnasium. Ebenfalls im Kammerchor Chemnitz und bei den Augustusburger Choryfeen singt Kerstin Uhlig. Sie ist seit einem Jahr Geschäftsführerin des Musikbundes Chemnitz.

Warum ist Ihnen Musik persönlich wichtig?

Uwe Weise: Ich habe in der 7. Klasse angefangen, im Chor zu singen. Und seitdem gibt es kaum eine Lücke, in der ich mal nicht gesungen habe. Ohne das Chorsingen würde mir wirklich etwas fehlen.

Kerstin Uhlig: Uns verbindet, dass wir schon als Kinder angefangen haben, zu singen und mich hat der Chorvirus, so nenne ich das gern, gepackt und seitdem nicht wieder losgelassen.

Carsten Walther: Mich fasziniert, dass ganz verschiedene Menschen in Chören zusammentreffen: Egal welches Alter, welcher Beruf oder wo sie herkommen – sie machen etwas zusammen. Das schafft eine große Gemeinschaft.

Wie sieht Chemnitz im Jahr 2025 aus?

Carsten Walther: Die Stadt hat sich  in den vergangen Jahren gut entwickelt. Für die Subkultur, wozu ich Chöre zählen würde, gibt es sehr viele Möglichkeiten. Es gibt viele Initiativen und Menschen, die etwas bewegen wollen. Dass in Chemnitz nichts los ist,diese Meinung gibt es eigentlich nicht mehr. Chemnitz wird kultureller – auch gerade im Bereich der Subkultur. Es gibt schon viele Möglichkeiten und trotzdem gibt es auch immer noch Freiraum, selbst etwas zu gestalten. Ob wir nun Kulturhauptstadt Europa werden oder nicht – Chemnitz wird seinen Weg gehen. Und wenn wir Pech haben, wird die Stadt so attraktiv, das letztlich die Mietpreise steigen. (lacht)

Uwe Weise: Das klassische Chorwesen hat es relativ schwer. Aber es gibt viele Projektchöre und Einzelinitiativen. Ich denke, in diese Richtung wird sich auch die Chorlandschaft entwickeln.

Kerstin Uhlig: Die Hauptsache ist, dass gesungen wird. Ich habe schon den Eindruck, dass Chemnitz von der Bandbreite her sehr musikalisch ist.

Carsten Walther: Es gibt immer mehr Leute, die etwas anpacken und gemeinsam auf die Beine stellen. Daraus können sich noch viele interessante Projekte entwickeln.

3 0 19. Januar 2018 gepostet am

keine Kommentare

Hinterlasse einen neuen Kommentar