Antje Schreiber, Tobias Gall, Mario Haustein
Linux-Tage

Macher der Woche

Der Pinguin unter den Betriebssystemen

Unter dem Motto „Jeder fängt mal an“ finden nächstes Wochenende (10./11. März) die Linux-Tage im Zentralen Hörsaalgebäude der Technischen Universität Chemnitz statt. Linux ist ein alternatives und kostenfreies Betriebssystem, das neben Windows und iOS auf Laptops, Rechnern und mobilen Geräten verwendet wird. Markant ist das Markenzeichen des Systems, ein Pinguin. Zum 20. Mal richtet die Chemnitzer Linux-Community die Veranstaltung nun schon aus und zeigt anhand von Workshops, Vorträgen und Infoständen, was mit Linux alles möglich ist. Zum Jubiläum sprechen Antje Schreiber, Mario Haustein und Tobias Gall aus dem Organisationsteam in unserem Macher-der-Woche-Interview über ihre Begeisterung für das Betriebssystem. 

Wann habt ihr das erste Mal mit dem Betriebssystem Linux gearbeitet?

Tobias Gall: Im zweiten Semester in meinem Studium der Angewandten Informatik, hatte ich den ersten Kontakt mit dem Betriebssystem, das war 2011. Im Studium waren besonders die Werkzeuge wichtig und da bietet sich Linux an, da es die von Haus aus mitbringt.
Mario Haustein: Bei mir war das so 1999 oder 2000, so in dem Dreh. Mein Onkel gab mir mal einen Rechner mit Linux und meinte: „Setz‘ dich mal damit auseinander“. So habe ich mich das erste Mal damit befasst. 2002 war ich dann erstmals als Besucher bei den Chemnitzer Linux-Tagen.
Antje Schreiber: Mit meinem Studienbeginn 2000 habe ich Linux kennengelernt und dann auch zu Hause installiert. Seitdem wird bei uns fast ausschließlich Linux genutzt.

Warum begeistert ihr euch dafür?

Tobias Gall: Linux hat eine intuitive Benutzeroberfläche, ähnlich zu anderen Betriebssystemen.  Es bietet einem viel mehr Wege, Dinge anzugehen.
Mario Haustein: Man hat viel mehr Möglichkeiten, die man mit Windows nicht hat. Man kann das Betriebssystem komplett individuell auf sich zuschneiden. Man hat die Wahl zwischen verschiedenen Distributionen und Nutzeroberflächen. Das macht das Ganze komplexer, aber nicht unbedingt schwieriger.

Kann jeder damit arbeiten oder braucht es viel Wissen von Programmierung und Informatik?

Tobias Gall: Eigentlich ist es selbsterklärend. Jeder, der das erste Mal Windows benutzt, muss sich auch da erst mal reinfuchsen, bei Linux ist es nicht anders. Es gibt viele Programme, die man schon von Windows kennt, die heißen bloß anders. Da muss man einfach bloß kurz umdenken und das Äquivalent suchen.
Mario Haustein: Die Konzepte, die dahinter stehen, sind dieselben. Sie sehen bloß anders aus, das ist ungewohnt. Aber man fuchst sich schnell rein. Deswegen haben wir dieses Jahr auch einen Vortrag im Programm, der zeigt, wie bestimmte Anwendungsfälle unter Linux funktionieren. Zum Beispiel: Wie ordne ich meine Fotos? Wie schreibe ich E-Mails? Das soll zeigen, dass es eigentlich gar nicht kompliziert ist.
Antje Schreiber: Zwei meiner Verwandten wollten Linux auch einfach mal ausprobieren und waren auf dem Gebiet Neulinge. Sie sind bis heute dabei geblieben.

Was macht das Betriebssystem aus, dass es dafür die Linux-Tage in Chemnitz gibt?

Mario Haustein: Das geht eigentlich auf die Entstehung des Betriebssystems zurück. Linux und all seine Anwendungen sind auf eine Gruppe von Programmierern zurückzuführen. Die Entwicklung von Programmen wird also nicht von einer bestimmten Firma vorangetrieben, sondern von einer großen Programmiergemeinde, die das größtenteils ehrenamtlich macht. Daher gibt es auch die Linux-Tage, als eine Art Konferenz, um sich untereinander auszutauschen und sich kennenzulernen, da es eben nicht nur diesen einen bestimmten Entwickler gibt.

Wer kommt zu den Linux-Tagen?

Antje Schreiber: Alt und jung, vom Neuling bis zum Profi, alles ist vertreten. Es kommen Leute, die noch nie Kontakt zu Linux hatten, aber auch Firmen, die nach Mitstreitern und Projektpartnern suchen. Natürlich sind auch ganz viele freie Projekte dabei, die sich präsentieren wollen und Leute suchen, die mitgestalten und das Projekt voranbringen wollen.

Was erwartet die Besucher?

Tobias Gall: Das gesamte Foyer der TU-Orangerie wird Ausstellungsfläche, wo sich Firmen und Projekte vorstellen, ähnlich wie bei einer Messe. Dann wird es in den Hörsälen und Seminarräumen Vorträge und Workshops geben. Datenbanken, Programmiersprachen und künstliche Intelligenz sind nur einige der zahlreichen Themen, über die man etwas bei den Linux-Tagen erfahren kann.

Die Linux-Tage sind nicht nur etwas für Programmierer, Computergenies und Informatiker: Ausgewählte Workshops richten sich an Anfänger oder Interessierte, die noch nie mit dem Betriebssystem zu tun hatten. Beim Workshop „Vom Urlaubsfoto zum Film“ lernen die Besucher Bild- und Videobearbeitung anhand eines Programmes von Linux. Bei dem Vortrag „Ich mach dann mal ’ne App“ erhält man einen Blick hinter die Kulissen der Anwendungen, die täglich genutzt werden. Die Jugendworkshops richten sich vor allem an die jüngere Generation, die mit Internet, Smartphones und Apps aufgewachsen ist, aber nie die Entwicklung kennenlernte. „Es wächst eine Generation heran, für die ist das Internet nichts anderes mehr, als ein leuchtendes Tablet vor der Nase zu haben. Es geht hauptsächlich darum, mal selbst Hand anzulegen. Und hier vor Ort die Anwendungen an Linux-PCs auszuprobieren. Es gibt daher auch extra Workshops für Kids so ab circa zehn Jahren“, bemerkt Mario Haustein.

Gibt es etwas Besonderes zum 20-jährigen Jubiläum?

Antje Schreiber: Wir haben ein paar Überraschungen in petto, aber die wollen wir noch nicht verraten. Optisch wie auch inhaltlich werden wir das Jubiläum definitiv aufgreifen.

Wie entwickeln sich die Linux-Tage in Zukunft?

Tobias Gall: Unsere Besucherzahlen haben sich in den letzten Jahren weiter nach oben entwickelt. Wir müssen uns vielleicht überlegen, ob wir erweitern. Auch das Thema Sicherheitslücken oder Datenklau lässt die Leute über Alternativen zu Windows und Co. nachdenken. Hier kommt dann Linux ins Spiel.
Antje Schreiber: Als das Support-Ende für Windows XP angekündigt wurde, hatten wir spürbar mehr Besucher. Das sind dann manchmal solche Entwicklungen, die ganz neue Gäste anlocken. Die meisten werden aber von den treuen Fans mitgebracht – zum Beispiel Freunde oder auch die Familie. So wächst die Community.
Mario Haustein: Als sich die mobilen Geräte wie Smartphones verbreiteten, kamen auch mehr Leute, da auf vielen Smartphones Linux-basierte Systeme laufen, das wissen aber viele gar nicht.

Was wünscht ihr euch für Chemnitz im Jahr 2025?
Antje Schreiber: Ich wünsche mir, dass die Leute dann vielleicht nicht mehr sagen, Chemnitz ist auf den zweiten Blick schön, sondern auf den ersten.
Tobias Gall: Der Parksommer soll weiterhin bestehen. Das würde mich freuen. Ich bin zudem noch Mitglied bei einer Community, die sich mit offener Datenbereitstellung beschäftigt. Ich wünsche mir, dass das weiter vorangetrieben wird.
Mario Haustein: Es soll für interessierte Jugendliche und Clubs mehr Möglichkeiten und Räumlichkeiten geben.

Das vollständige Programm: www.chemnitzer.linux-tage.de.

5 0 2. März 2018 gepostet am

keine Kommentare

Hinterlasse einen neuen Kommentar